Der Wandel der Epochen innerhalb der Mauern von Sant'Agata Bolognese verläuft stets dramatisch, aber mit der Vorstellung des Lamborghini Temerario haben die Italiener nicht nur ein neues Kapitel aufgeschlagen – sie haben das Regelwerk für „jüngere“ Supersportwagen verbrannt.
Wenn der Huracán eine Hymne an die Reinheit der Atmosphäre war, dann ist der Temerario ein Manifest der technokratischen Überlegenheit.
Er ist nicht mehr nur eine „Eintrittskarte” in die Welt von Lamborghini, sondern ein eigenständiges Meisterwerk der Ingenieurskunst, ein Auto, das mit zynischer Gelassenheit die Grenze zwischen Grand Touring und GT3-Rennwagen verwischt.
Seine Philosophie basiert auf dem HPEV-Konzept (High Performance Electrified Vehicle), bei dem Elektrizität nicht der Ökologie, sondern ausschließlich der Geschwindigkeit dient und die kleinsten Pausen im Atem des Verbrennungsmotors ausfüllt.
Das Herzstück dieses technischen Meisterwerks ist ein völlig neuer Antrieb, der von Grund auf neu entwickelt wurde.
Der Abschied vom legendären V10 war schmerzhaft, aber dafür boten die Ingenieure etwas Außergewöhnliches: einen 4,0-Liter-V8 mit Doppelturboaufladung.
Es handelt sich dabei nicht um eine Adaption des Motors aus dem Urus, sondern um einen einzigartigen Motor mit flacher Kurbelwelle, der bis zu stratosphärischen 10.000 U/min drehen kann.
Die Turbinen, die im Zylinderblock angeordnet sind (Hot-V-Konfiguration), sorgen für eine sofortige Reaktion, aber es ist gerade die Hybridkomponente, die die Spielregeln verändert.
Drei Elektromotoren – einer ist in das neue 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe integriert, die beiden anderen treiben die Vorderachse an – sorgen für einen kontinuierlichen Schub.
Hier gibt es keine Turbos, sondern nur eine lineare, durch ihre Intensität beeindruckende Beschleunigung, begleitet von einem hochfrequenten Crescendo, dessen Klangfarbe eher an Rennmotorräder als an traditionelle V8-Motoren erinnert.
Auf der Straße zeigt der Temerario ein Verhalten, das man als „digitale Telepathie” bezeichnen könnte.
Dank des Allradantriebs mit elektrischer Traktionsvektorsteuerung an der Vorderachse schraubt sich das Auto mit einer für sein Gewicht unnatürlichen Leichtigkeit in die Kurven.
Die Elektronik jongliert mit dem Drehmoment schneller, als der Fahrer die Drift wahrnehmen kann, und schafft so die Illusion absoluter Kontrolle.
Das Aluminiumchassis mit erhöhter Torsionssteifigkeit arbeitet symbiotisch mit der aktiven MagneRide-Federung zusammen, die im Strada-Modus Unebenheiten der Fahrbahn ausgleicht und im Corsa-Modus das Auto in einen Monolithen verwandelt.
Trotz des Vorhandenseins einer Antriebsbatterie gelang den Ingenieuren eine filigrane Gewichtsverteilung, die den charakteristischen Hinterradantrieb in Bezug auf das Fahrverhalten beibehielt, insbesondere bei Aktivierung des Drift-Modus, der es ermöglicht, das Heck dosiert ins Schleudern zu bringen.
Die Ästhetik des Temerario ist eine Hommage an das Sechseck, die wichtigste geometrische Form im Design-Code der Marke.
Das Erscheinungsbild des Fahrzeugs ist im Vergleich zum Vorgängermodell klarer und kompakter geworden: Überflüssige Kanten sind verschwunden und haben funktionaler Aerodynamik Platz gemacht.
Der vordere Teil mit den charakteristischen sechseckigen Tagfahrleuchten, die auch als Lufteinlässe dienen, bildet ein aggressives, „haiähnliches” Profil.
Im Innenraum herrscht eine Atmosphäre von „schwerem Luxus” mit einem Hang zur Luftfahrt.
Der Pilot sitzt tief und fest, die Sitze sind mit hochwertigem Leder und Alcantara bezogen, und Carbonfaser ist hier keine Dekoration, sondern eine konstruktive Notwendigkeit.
Die Architektur des Cockpits ist um den Fahrer herum aufgebaut: Das digitale Armaturenbrett, das vertikale Multimedia-Display und der optionale Bildschirm für den Beifahrer bilden ein einheitliches Informationsfeld, in dem jede Zahl und jede Grafik zu einem Gefühl der völligen Einheit mit dem Fahrzeug beiträgt.
Wichtige Merkmale * Motor: HPEV-Hybridantrieb: V8 4.0 Twin-Turbo (10.000 U/min) 3 Elektromotoren * Leistung: 920 PS (gesamt) * Getriebe: 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT) in Querbauweise * Beschleunigung 0–100 km/h: 2,7 Sekunden * Antrieb: Allrad (elektrische Vorderachse, mechanische Hinterachse) * Besonderheiten: Flache Kurbelwelle, aktive Aerodynamik, höhere spezifische Leistung als beim Huracán STO.